Donnerstag, 19. April 2018

Ein schönes Schiff - Erwartungen erfüllt

Hatte ich überhaupt Erwartungen, als ich mich zur Besichtigung der MSC Magnifica angemeldet habe?
Na klar, hat man immer, auch wenn man sie nicht unbedingt in Worte kleiden kann und einem irgendwas vorschwebt, wie es da wohl aussehen könnte. Meine Erwartungen waren gefärbt von den Bewertungen, bei denen das Essen nicht immer gut abgeschnitten hat und von der Zögerlichkeit mancher Kreuzfahrtinteressenten, die ein Sprachproblem befürchten, weil MSC eine internationale Reederei ist, bei der die Bordsprache nicht ausschließlich Deutsch ist.
Ich freue mich wirklich, all denen, die einen längeren Leseatem haben, meine Einschätzung kundzutun, aber für alle anderen vorweg mein Fazit:
Ja, MSC fahren geht absolut klar. Kommt vorbei, ich buche Euch weg.

Nach den ersten 15 Minuten Spaziergang über das Schiff fällt sofort auf: Hier ist alles unwahrscheinlich sauber und gepflegt. Unser Schiffsguide erklärt, daß das ja auch so sein soll. Stimmt natürlich, aber es klappt auch nicht immer und überall. Auf diesem Schiff schon.
Und es gibt enorm viel an Chrom und Messing zu polieren. In der Tat sieht man auch immer irgendwo jemanden, der am Geländer angewachsen scheint und wienert.
Das Schiff ist auch erst im achten Kreuzfahrtjahr, also noch ein Jungtier und daher auch noch so frisch.

Auf den ersten Blick scheint es endlos lang zu sein. Es hat eine ähnliche Passagierkapazität wie einige AIDA-Schiffe, kommt mir aber noch viel länger vor. Glücklicherweise weiß Wikipedia alles und bestätigt meine Vermutung. 2500 Passagiere etwa können sich bei 293 m um 40 m mehr austoben als 2600 Menschen z. B. auf AIDAsol.
Und jetzt kommen wieder diejenigen ins Spiel, denen das ja viel zu viele Leute sind, und deswegen bevorzugen sie kleinere Schiffe.
Jedem das Seine. Die vielen Menschen verteilen sich aber auf eine Menge Deckfläche, Restaurants und Freizeitbereiche.

Mein erster Eindruck ist jedenfalls, daß die Magnifica in ihrem weißen Kleid sehr beeindruckt und im Innern eleganter ist als ich dachte.
Was dachte ich denn? Das weiß ich eigentlich auch nicht, aber irgendwie lässiger, bunter, ja sogar moderner.
Aber sie strahlt unaufdringliche Eleganz aus. Manche Bereiche, Lounges und Räumchen können durchaus mithalten mit der von mir vor einiger Zeit beschrieben Queen Victoria von Cunard.
Die „Tiger-Bar“ finde ich unglaublich genial gestaltet, die „Amethyst-Lounge“ hat eine Hinguckerfarbe und das „Royal Theater“ strahlt in seinem Grün enorm viel Hoffnung auf professionelle Unterhaltung aus.


Nun gut, die Bibliothek der Victoria hat einen Buchbestand, der an die Dortmunder Uni heranreicht, die Magnifica beherbergt vielleicht nur 50 Stück Lesestoff. Doch habe ich tatsächlich ein solches Bildungsbedürfnis im Urlaub? Entscheidet selbst.

Die Kabinen sind wirklich schön. Meine Kollegen sprechen von Platzangst in den Innenkabinen, was ich für Unsinn halte. Wie groß soll sie denn sein? Vor allem bei den wirklich akzeptablen Preisen? Muß ich darin tanzen oder eine private Veranstaltung machen? Muß ich nicht.
Andere Reedereien bieten im Schnitt auch nicht mehr Platz. Letztens auf besagter Victoria erst hautnah erlebt.
Es ist alles da, was man braucht, und das Design ist hübsch und angenehm. Geschickt gesetzte Spiegel erweitern den Horizont, allerdings nicht den geistigen, sondern den räumlichen. Obwohl, wenn ich es recht überlege, kann das meinen persönlichen geistigen Horizont doch insofern erweitern, als daß mir deutlich bewusst wird, wo die Zuviel-Kilos sitzen, und mir den Lerneffekt verschaffen, daß Kreuzfahrten dick machen können.
In den Balkonkabinen habe ich mehr Platz. Es gibt dazu noch ein Sofa. Da kann man dann mal sitzen!!! Was ich dann da sitzenderweise mache, außer den angefutterten Kalorien die Ruhe zum Ausbreiten zu gönnen, muß auch noch geklärt werden. 
Ich glaube, auf meiner letzten Tour mit AIDAsol saß ich kein einziges Mal dort, sondern war an Deck oder an Land.
Doch auch hier hat jeder andere Bedürfnisse, und das ist auch gut so. Ich kann ja mehr ausgeben und großzügiger wohnen.
Das (für mich) Schöne am MSC-Konzept ist, daß ich wählen kann, wieviel Komfort, Raum, Privatsphäre, Essen, Trinken und Wohlergehen ich haben möchte.
Bella-preiswerte Kabinen, Fantastica-auch-noch-günstige Kabinen in besserer Lage, Aurea-All-Inclusive oder Yachtclub-noch-mehr-all-inclusive mit Suiten, Privatdeck und Butler. Der steht dann stundenlang vor meiner Kabinentür und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab (Butler! Mach, daß sich das gute Essen nicht auf die Hüften legt).  

Hier hat man also quasi ein Schiff im Schiff. Etwa 140 Mann im kleinen Schiff auf Deck 16, hoch über dem großen 2000-Leute-Schiff.
Heißt im Prinzip: Ich wohne im Vorort, in meiner kleinen Gemeinde, und kann aber mal einen Ausflug in die Großstadt machen, um ins Kino, Theater oder Buffetrestaurant zu gehen.

Und damit bin ich beim Essen angelangt.
Wir werden ins A-la-carte-Restaurant geladen, wo man aus einer Speisekarte auswählen und sich bedienen lassen kann. Und wenn einem der Hauptgang schmeckt, darf man ihn sogar nochmal bestellen. Wenn das nichts ist für große Esser!?
Nebenbei bemerkt wirft mir auch hier ein Kellner die Serviette auf den Schoß. Gibtˋs also nicht nur auf Queen Victoria.

Ein Highlight ist für mich, daß es im A-la-carte-Restaurant auch noch ein kleines Buffet gibt, an dem sich der Selbstabholer versorgen kann.
Das würde Euch auch gefallen. Man kann aktiv oder faul sein. Wunderbar!

Alles, was ich probiere, schmeckt mir sehr gut, die Auswahl ist für die Mittagszeit mehr als gut, der freundliche Kellner stellt sich mit Namen vor.
Den habe ich nun nicht behalten. Er war zu lang und klang asiatisch.
Was soll ich sagen? Natürlich arbeiten auch bei dieser Reederei im Service- und Gastrobereich hauptsächlich, möglicherweise sogar ausnahmslos, Asiaten. Diese freundlichen Menschen scheinen die seetauglichsten zu sein. Und wahrscheinlich preiswerter zu beschäftigen als Europäer.

Damit komme ich zu den Sprachen an Bord.
Das Personal spricht und versteht vornehmlich Englisch. Doch der deutsche Gast, der im Schnitt mit 21% an Bord der MSC-Schiffe vertreten ist, findet an der Rezeption 24 Stunden lang jemanden, den er auf Deutsch ausfragen kann.
Speisekarten sind auch auf Deutsch, Durchsagen in mehreren Sprachen, unter anderem Deutsch.
Du meine Güte, da wartet man halt mal etwas ab, bis die für uns verständliche Durchsage erschallt, daß das Schiff jetzt ablegt. Außerdem, wer hätte das gedacht, merkt man es ganz automatisch.

Auf manchen Bewertungsportalen ist die Rede von ständigen Durchsagen in tausend Sprachen. Das ist total übertrieben, denn es wird hier wahrlich nicht alles angekündigt, wie in manchem Ferienclub, wo mich der Animateur zwischendurch immer wieder mal beschallt, daß jetzt Volleyball gespielt wird oder der Batik-Kurs beginnt.

Ich kann auch nicht anders als darauf hinweisen, daß auf den mit Bordsprache Deutsch beworbenen TUIcruises-Schiffen oder AIDAs besonders im Gastrobereich dieselben Nationen beschäftigt sind wie oben genannt. Und die müssen auch nicht vor der Vertragsunterzeichnung ihr Deutsch-Diplom ablegen.
Selbe Situation also. Alle sind bemüht, auch die Deutschsprachigen zu verstehen und lernen und verstehen selbstverständlich die essentiellen Dinge, wenn ich eine Gabel, ein Messer oder einen Teller brauche. Auch Weiß- oder Rotwein versteht man auf Deutsch und lernt ganz gern dazu, denn dafür ist man ja mit verschiedenen Nationen unterwegs und weltoffen.

Ich finde auf der Magnifica viele ruhige Ecken, wo ich es mir gemütlich machen kann, vorzugsweise an Deck in der Mittelmeersonne, wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, daß diese auch im Nordland recht schön leuchten kann.



Und wenn ich richtig viel Volk um mich herum haben möchte, dann gehe ich aufs Pooldeck, und das vorzugsweise auf einer Mittelmeerreise an einem Seetag auf einer Tour in den Sommerferien. 
Dann tummeln sich die Familien mit Kindern an Deck. Familien sind grundsätzlich gut aufgehoben bei dieser Reederei. Die Ermäßigungen für Kids und Teens sind sehr gut. Selbst die sich schon so erwachsen fühlenden, da fast volljährigen 17-jährigen müssen es sich gefallen lassen, als Kinder durchzugehen, sehr zur Freude ihrer den Spaß bezahlenden Eltern.

Last, but not least, räume ich noch mit dem Kritikpunkt auf, daß bei MSC nur auf Plastik serviert wird.
Im Restaurant gibt es normales Porzellan, im Buffetrestaurant in der Tat unkaputtbares Geschirr, das ein bisschen so ist wie mein Campinggeschirr.
Man merkt erst beim Anfassen, daß es kein Porzellan ist.
Das Buffetrestaurant hat direkten Anschluß an den Poolbereich. Ich darf auch draußen essen, und wenn ich mir vorstelle, daß hier Glas oder Porzellan zu Bruch geht, dann ist das Geschrei aber groß, wenn einer in die Scherben latscht.

Fazit für alle, die bis hierhin durchgehalten haben und auch diese Art von Reisen lieben:
Schaut Euch bei uns im Reisebüro einfach mal die Routen dieser Reederei an. Es ist was für Euch dabei, da bin ich sicher.
Und das Riesenschiff von MSC sehe ich mir in Hamburg beizeiten auch nochmal an. Wer Interesse hat, darf gern mitkommen.

Ahoi, Ihr Lieben.

P. S.: Trotz reichhaltigem Mittagessen musste ich nachmittags noch einen Abstecher ins Buffetrestaurant machen. Aus puren Forschungszwecken natürlich. Schließlich gab es auf der Cunard-Victoria hier einen unfassbaren Unterschied zum Bedienrestaurant. In erster Linie bei der Kleiderordnung der Passagiere, die hier auf Teufel komm raus den legeren Stil überinterpretiert und in den Abgrund zelebriert haben.
Daher habe ich mich auf der Magnifica noch für ein Stück Pizza geopfert.
Auch das hat geschmeckt, und das schnelle Abscannen der Menschen, die hier essen gehen, hat ergeben, daß hier alles im grünen Wohlfühlbereich läuft.



Schiffsbesichtigung: Ein Tag auf MSC Magnifica

„Verkaufen Sie denn auch aktiv MSC Kreuzfahrten?“ fragte mich vor einiger Zeit die Verkaufsleiterin der Reederei.
Nun ja, bei der Übermacht von AIDA und TUIcruises ist es ein bisschen schwierig, muß ich zugeben.
Und wenn man selbst noch nicht auf einem MSC-Dampfer war, findet man nicht sofort besondere Argumente dafür.
Das werde ich nun ändern und buche eine Schiffsbesichtigung in Amsterdam.
Die Anreise erfolgt glücklicherweise mit meinem Lieblingsverkehrsmittel, dem Reisebus, der rasch ein paar Dortmunder, Essener und Duisburger einsammelt, und los geht‘s. 
Am Vortag hat sich die gute Gelegenheit ergeben, sich nochmal ein wenig mit MSC zu befassen, da meine Mitarbeiterin einen Auftrag von Freunden für eine Familienkreuzfahrt hatte, und siehe da, MSC ist unser Kandidat!
Familienkabinen gibt es, viel Action für Kids aller Altersstufen und rasant gute Ermässigungen für die Racker.
Aber natürlich auch Unterhaltung und Abwechslung für alle, um sich die Abende, Nächte oder Seetage an Bord zu verschönern.
Und das sehe ich mir jetzt mal an.

Eigentlich wollte ich es niemals tun, aber ich schaue nach, was meine Mitbürger auf Holidaycheck, dem „Berwertungspapst“ unter den Kritikpredigerportalen darüber schreiben. Es lässt sich ja heute kaum noch etwas verkaufen, was dort mit weniger als 80% bewertet wurde, auch wenn meine langjährigen Kunden über dasselbe nur Gutes berichten. Und den Bewertungen meiner Kunden schenke ich weitaus mehr Glauben als einem Internetportal.
Hinzu kommen meine eigenen langjährigen Erfahrungen, die jetzt noch um noch ein  weiteres Schiff vergrößert werden.
Da lese ich, daß die Magnifica mit 65% weiterempfohlen wird. Das ist ein Prozentsatz, der die meisten Gäste abschreckt, aber wir werden ja sehen.
Der eine preist das Essen in den höchsten Tönen, der nächste schon hat überhaupt nichts für sich gefunden, findet das Essen schrecklich.
Und es gab immer dasselbe - ein gern genommener Satz im Bewertungsfeuerwerk.
Hierzu habe ich schon lange meine ganz eigene Meinung, und die lautet: Wenn ich essens- oder geschmackstechnisch eingeschränkt bin und bestimmte Speisen einfach nicht ausprobiere, dann habe ich eben schlechte Karten.
Als Vegetarierin esse ich morgens seit Jahren Brot mit Käse. Wenn ich das im Urlaub auch tue und niemals Marmeladen ausprobiere, oder Honig, oder sonstige Brotaufstriche, weil ich die nicht mag, und wenn ich halt die Wurstsorten nicht essen kann, dann darf ich einfach nicht behaupten, es gäbe immer dasselbe.
Ich ESSE immer dasselbe. Das ist es. Da kann niemand was dafür.

Hier muß ich kurz noch das Erlebnis einer Kundin ausplaudern, die sich an einen Mitreisenden gewandt hatte weil der bemeckerte, das Essen auf AIDA wäre auch nicht mehr was es einmal war. Sie fragte ihn, was er konkret meinte, und erhielt die Antwort, daß es früher zum Frühstück 10 Käsesorten gab und jetzt nur noch acht. Wenn man sonst keine Probleme hat, dann geht´s ja.

Selbstverständlich weiß auch ich, daß sich beim Essen die Geister scheiden, egal wo, und daß manchmal auch wirklich nicht gut gekocht oder präsentiert wird, aber dann muß ich vielleicht auch mal in Relation setzen, was ich bezahlt habe.
Preis-/Leistungsverhältnis werde ich also auch unter die Lupe nehmen. 

Oh je, jetzt komme ich gerade rüber wie der allerwerteste Schiffstester. Das bin ich natürlich nicht. Ich schau einfach mal und halte die Augen und Geschmacksnerven auf Empfang. 
Die Kabinen sind jedenfalls alle schonmal super bewertet.

Die Sicherheitsvorkehrungen hat man uns bereits im Bus ausgehändigt. Da geht es um Notfallsignale, allgemeine und bei Feuer.
Ein Signal für den Fall, daß es mir nicht schmeckt oder meine Kabine nicht sauber ist, gibt es nicht, also wird schon alles gut sein.
Ich melde mich wieder mit Infos und Fotos, sobald ich das Schiff geentert habe.


Mittwoch, 28. März 2018

Nicht die Serviette anfassen! Service zum Verrücktwerden auf Queen Victoria

An Bord gehen. Eine andere Welt entdecken. Die Reederei Cunard hat diese traditionellen Ocean Liner.
Ich wusste es, als ich meinen besonderen Kurztrip mit der Queen Victoria buchte. Ich wusste, daß ich hier im viktorianischen Zeitalter landen würde.
Zumindest, was die Dekoration anbetrifft. Es war zu erwarten, daß mich britischer Service überrollen würde, mit all seinen Fein- und Besonderheiten. Sehr angenehme, wie auch echt schrullige.
Sollst Du mir folgen und eine Kreuzfahrt dieser Art buchen? Wenn Du all das magst, was ich an dem Wochenende erlebt habe, dann ja.

Ein Taxi spuckt mich am „Queen Elizabeth II Terminal“ in Southampton aus. Während ich die Halle in Sekundenschnelle scanne, um zu überlegen, wo ich einchecken muß, kommt auch schon ein beflissener Mensch auf mich zu, der unsere Koffer entreißt - auf freundliche Art und Weise natürlich. Ich will rasch noch den mitgelieferten Kabinenanhänger ans Gepäck basteln, doch das nimmt er mir auch schon ab. 
Meine Frage, ob wir unsere Sachen jetzt erst auf der Kabine wiedersehen, hallt noch nach, da ist er weg. 

Und da ist sie auch schon: Die legendäre englische „Queue“, eine ordentlich Schlange vor den Check-in-Schaltern.
Nichts wie hinten angestellt und sich wundern, wie gesittet alles zugeht und vor allen Dingen schnell. Innerhalb kürzester Zeit sind die Bordkarten ergattert und unser Konterfei im Victoria-Bordcomputer gespeichert. „You are looking nice“, versichert die Dame vom Hafenpersonal. 
Ich möchte es glauben, obwohl mich die Erinnerung an den letzten Abend in London beim guten Wein und wenig Schlaf zweifeln lässt.
Wenn man sich dann noch klar macht, daß der Brite ja zum „Understatement“ neigt, also zum Untertreiben, dann hätte das „nice“ ja in Wirklichkeit sogar „großartig“ bedeuten können. Aber das diskutiere ich lieber weder mit mir, noch mit sonst wem.


Camilla, die Herzogin von Cornwall und hauptberuflich Gattin des Thronfolgers, empfängt als weiße Dame die Passagiere. Sie ist die Taufpatin des Schiffes, das im Jahre 2007 vom Stapel lief. Ich bin einige Male an Ihrer Hoheit vorbei gelaufen, weil ich immer wieder prüfen wollte, ob das nun ein Foto oder gemalt ist. Und es irritiert mich, daß sie wahrscheinlich abgebildet wurde, als sie gerade einmal vier Jahre älter war als ich es jetzt bin.
Ich bin nicht mehr weit entfernt von ihrem damaligen Alter.
Warum muß man sich als Frau mit solchen Überlegungen immer so weh tun?

Ein erster Schiffsrundgang ist verwirrend. Ich streune orientierungslos umher. Aber das geht einem wahrscheinlich auf allen großen Schiffen so. 
Diese Queen fasst immerhin fast 2000 Passagiere und ist eben nicht gerade winzig.
Da ist der riesige Treppenaufgang, der mich an Bilder der Titanic erinnert. Man möchte da rauf und runter schweben, hat aber für die richtige Wirkung gerade nicht die passende Kleidung an.

Eine superschöne Uhr steht oben am Eingang zur Shoppingmeile und mahnt wahrscheinlich, daß es Zeit ist, etwas einzukaufen. Das kommt für mich aber nicht in Frage, denn ich muß sagen, das Preisniveau ist echt hoch. Zudem kommt mach amerikanischem Prinzip gerade auf unserer Strecke noch die Mehrwertsteuer  mit 20% hinzu und auch noch eine Servicegebühr von 15%.
Wie gut, daß ich gar nichts brauche, außer vielleicht mal einen stilvollen Drink an der Bar genießen. Das gönnt man sich ja nun doch, zumal das Ambiente wirklich zum Genießen ist. Aber halt, die Bars sind unterschiedlich sortiert und ausgerichtet. Mein spontaner Entschluß, in der „Gin- Fizz“- Bar einen Wein zu trinken, ging gehörig daneben, denn es ist ja nunmal eine Gin-Bar. Und mit welcher Auswahl an Longdrinks, das ist kaum zu glauben.

Zum Mittagsimbiss geht es in das Lido-Buffet-Restaurant. Hier verspricht Cunard, daß lässige Kleidung erlaubt ist. Das interpretieren allerdings viele Gäste über, wie mir scheint. Ich habe wirklich selten so viele gräßlich gekleidete Menschen gesehen. Manche Kleidung aus Second-Hand-Charity-Shops sind dagegen Luxusware.
Ich meine es ernst, und habe es auch an die Reederei geschrieben: Hier muß mal durchsortiert werden. Es ist kein schöner Anblick. Ich merke, daß der Ruf der Luxusreederei mir hier einfach komplett andere Vorstellungen in den Kopf gepflanzt hat.
Auch wundert mich, daß es eine bei Ankunft schon recht betrunkene deutsche Herrengruppe auf diesen Oceanliner geschafft hat.
Es mag an dem günstigen Kurztrip liegen, daß sich hier auch eine, nennen wir es mal bunte Passagiermischung einfindet.

Mit einer gehörigen Portion Humor und Freude am Menschen beobachten, über die mein Mann, unsere Freunde und ich glücklicherweise verfügen, ziehen wir daraus aber auch noch ein echtes Reiseerlebnis.

Zum Abend dann, im Britannia-Restaurant, sieht es anders aus. „Informal style“ ist angesagt. Auch relativ harmlos eigentlich und sollte niemanden abschrecken. Eine nette Hosen-/Blusenkombi oder Kleid für die Dame und Jackett für den Herren, ohne Krawattenzwang.
Das ist für mich völlig in Ordnung und doch auch mal ganz schön.

Die Speisenauswahl und -zusammenstellung kann sich sehen lassen, vor allem weil wir ja mit unserer „einfachen“ Kabine nur in die zweite Klasse fallen.
Ja, es ist wahr. Die Reederei verfolgt ganz bewusst noch das Prinzip der zwei Klassen. Passagiere mit gebuchten Luxuskabinen bekommen ein anderes Restaurant zugeteilt. Wobei man als Normalsterblicher auch durchaus gegen Aufpreis in den Genuß noch besserer Gastronomie kommen kann.

Damit hat Cunard aber keine Alleinstellung mehr. Ehe Ihr nun verständnislos die Nase rümpft, schaut Euch mal das Konzept von TUI-Cruises an. 
Auch hier kann man Ähnliches entdecken.

Mir ist der Service im Normalo-Restaurant auf jeden Fall schon mehr als genug. Ich bekomme den Stuhl zurecht geschoben, begehe den fatalen Fehler, meine Serviette anzufassen und mir selbst auf den Schoß zu legen und brüskiere damit wahrscheinlich den Kellner, dessen Aufgabe das doch ist.
Ein anderer Kellner ist für die Softdrinks und Wasser zuständig und ein weiterer, in andersfarbiger Weste, stellt sich als unser Sommelier vor. 
Hier bitte nur den Wein bestellen!
Die Essenswünsche nimmt wieder jemand anders auf. Es ist ein Service zum Verrücktwerden, aber ich stelle fest, daß das manchmal ganz witzig zu erleben ist. Daß es sowas gibt!? Alles ist wirklich so traditionell angehaucht.
Ich mache mir einen Sport daraus, auch noch die geringsten Unterschiede in der Jackenform der Kellner festzustellen. Jede Falte, jeder Einschnitt in der Weste oder im Jackett bedeutet einen anderen „Dienstgrad“.

An längst vergangene Tage erinnert auch ein Ballsaal, ein plüschiges Theater oder ein musikalisches Quartett. So muß es zur viktorianischen Zeit auch gewesen sein. Ich fühle mich wie in einer anderen Welt.
Dieser kann man allerdings entfliehen und „zurück in die Zukunft“ auf Deck 9 die Commodore-Bar besuchen. Hier kann man unter einem irren Deckenleuchter abzappeln zu DJ-Musik, modern und locker, und verzichtet gleichzeitig darauf, noch irgend ein Wort seiner mitreisenden Freunde zu verstehen.

Zum Beruhigen schaue ich mir dann noch die hoch gelobte Bibliothek an und muß sagen, die ist  mehr als einen Abstecher wert. Ich möchte zwar nicht 7 Tage Atlantikpassage nach New York auf diesem Schiff verbringen, aber wer eine Leseratte ist, der findet auch für so viele Tage ganz sicher die passende Lektüre. Die Auswahl, und vor allem die Präsentation ist überwältigend. 


Ich falle ins Bett, überrollt von den vielen neuen Eindrücken, schlafe „historisch-entrückt“ ein und ahne noch nichts von dem Service, der mich am nächsten Morgen beim Frühstück überrollt. Auch hier darf ich meine Serviette nicht selbst auf den Schoß legen, mache das eigentlich beim Frühstück doch sowieso nie, entkomme aber auch dem Kellner nicht.
Es wird ein Frühstücksmenü geben, bei dem unter anderem zwischen „Breakfast Entrées“ und „Side Orders“ unterschieden wird. Es gibt einen Orangensaftkellner, einen für Kaffee und Tee und einen für die feste Nahrung. Service zum Verrücktwerden, wie gesagt.

Aber davon weiß ich ja am Abend noch nichts und träume mich erstmal in einem übrigens hervorragend bequemen Bett in den nächsten Tag, träume von Camilla, die in der Gin-Fizz-Bar die Cocktailkarte rauf und runter trinkt, und von Prinz Philipp, der im Ballsaal den Eintänzer gibt und mir mit einem seiner legendären Fettnäpfchensprüche entgegenschleudert, was ich hier überhaupt will, wo ich doch in der Tanzschule Conradi nur den ersten Kurs mit Standardtänzen halb erfolgreich abgeschlossen habe.

Gute Nacht.


















Sonntag, 25. März 2018

So leicht wird man zum Bahn-Fan

Nach Paris mit dem Zug vor einigen Jahren habe ich noch etwas umständlich in Erinnerung, was aber vor allem an der Kofferschlepperei lag und an den wirklich sehr umständlichen Wegen mit so gut wie keinen Rolltreppen in der Métro.
Meine Leutchen sehnten sich schon sehr bald nach unserem Reisebus zurück.

Es geht aber auch in richtig schön, schnell und angenehm, was mein Trip nach London beweist.
Hier habe ich an Anreisemöglichkeiten wahrhaftig alles durch: 
1. Reisebus 
Das bedeutet eine Reisedauer von 10 Stunden insgesamt, aber mit entspannter Pause im Tunnel oder auf der Fähre, nicht zu vergssen das eigentliche „MUST“, der Blick auf die weißen Klippen von Dover. Ausstieg direkt am Hotel, wunderbar! Einen Kaffee oder Piccolo in der Hand an Bord eines komfortablen Busses, und die Vorfreude steigt.

2.  Mit dem eigenen PKW. Das ist auch nicht wesentlich schneller, ein möglicherweise per Losverfahren ausgesuchter Mitreisender muß fahren, und das links und durch den Londoner Stadtverkehr. Dazu kommen horrende Parkgebühren. Nicht zu vergessen die Umweltzonenbedingungen in der Innenstadt.

3. Per Flug. Hier kommen ab NRW ca. 7 Stunden inkl. Warterei auf das Gepäck und immer mindestens eine Stunde Gurkerei per U-Bahn in die Innenstadt, wenn man nicht gerade am City-Airport landet und sein Hotel in den Docklands hat. Wohl dem, der hier mit Rucksack anreist, was mir dann doch immer ein bisschen zu wenig ist. Nun ja, es schleppt ja auch nicht jeder zwanghaft seinen eigenen Monsterföhn auf allen Reisen mit.

Jetzt kommt 4. noch die Zuganreise hinzu.
Empfehlenswert zunächst einmal für alle Flugängstlichen. Und für alle Bahnfans sowieso.
Der erste Thalys geht um 5:19 h ab Dortmund nach Brüssel. Ja, das ist eine unchristliche Zeit, aber mit allen anderen Verkehrsmitteln geht es doch auch nicht später los.
In 3 Stunden und 15 Minuten ist man dann in Brüssel, steigt um in den Eurostar, und dann wird es richtig schnell.
Der Thalys könnte auch noch einen drauflegen, wird aber durch die vielen Halte-Bahnhöfe zwischen Dortmund und Aachen an seiner Topgeschwindigkeit gehindert. Es ist hart, aber ich muss es einfach akzeptieren, daß nicht nur Dortmunder Interesse am Reisen mit der Bahn haben. 

Sehr gespannt bin ich, wie und wo die Zollkontrollen nach England stattfinden. Eine gute Stunde Umsteigezeit in Brüssel habe ich einkalkuliert, und das war genau richtig, denn hier wird das Gepäck durchleuchtet und kontrolliert wie am Flughafen.
Auf leisen Sohlen wandele ich durch den Kontroll-und Durchleuchtkäfig. Ja, denn ich muss auch die Schuhe ausziehen.
Warum nur habe ich Boots mit meterlangen Schnürsenkeln statt Reißverschlußstiefeln gewählt?
Das Beste allerdings ist dann die Begründung der Kontrollbeamtin, die meinen Mann mit Schuhen durchschleust: „Die sehen teuer aus!“ 
Was ist das denn bitte für eine Logik? Und vor allem möchte ich betonen, daß meine Boots zwar vielleicht nicht die saubersten sind, aber auch nicht gerade billig. Nun ja, ich stehe bei einem männlichen Kontrolleur an, der hat einfach keine Blick für Qualität.
Rasch noch zur Toilette, die mir bereits knallbunt ankündigte, daß es hier nach Großbritannien geht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich bei Lisbeth meine Kaffee lasse oder bei Shakespeare. Oder ist er es am Ende gar nicht? Egal, hinter ihm steht eh die Behindertentoilette.

In 1 Stunde und 50 Minuten ist dann London St. Pancras erreicht. Der Eurostar dreht richtig auf, wird in Calais auch nicht auf Waggons für den Kanaltunnel verladen so wir PKWs und Busse, sondern rauscht ungehindert durch seine eigene Röhre auf die Insel.
Gerade noch erkenne ich die in den letzten Jahren verstärkt entstandenen Zäune bei Calais, mit denen man sich vor den vielen Flüchtlingsschüben abzuschotten versucht. Dann werde ich unter dem Meer quasi ins Königreich geschossen.

Wer mag und nicht erpicht ist, in Nullkommanix am Hotel zu sein, stattet dann dem berühmten Bahnsteig 9 3/4 im direkt angrenzenden Bahnhof King‘s Cross noch einen kurzen Besuch ab.
Das ist nicht das Harry-Potter-Gleis, sondern die Halle von St. Pancras, ein Meisterwerk der Architektur viktorianischer Zeit.
Ich weiß wirklich nicht, warum ich mir gerade jetzt eine Zeitschrift im Buchhandel über Queen Victoria und ihre Zeit kaufe, aber wahrscheinlich wirkt der Bahnhofsbaustil intuitiv, verstärkt noch durch das Schiff, die Queen Victoria, die ich morgen kennenlernen werde.

Idealerweise bucht man sein Hotel dann in der Nähe des Bahnhofs und kommt somit auf eine Gesamtreisezeit von 7,5 Stunden von Haustür zu Haustür, inklusive einer kleinen abwechslungsreichen Umstiegspause in Brüssel. Hier gibt es überall Rolltreppen, so daß das mit den Koffern auch nicht das Schlimmste ist.

Es ist eine wirklich empfehlenswerte Anreise, und besonders versüßt und verkürzt durch mitreisende Freunde, mit denen die Zeit quatschender- und lachenderweise wie im Fluge vergeht.

London per Zug - und wer weiß, was mir sonst noch so alles einfällt, wo man auch  mit einem interessanten Zug hinfahren kann, das werde ich auf jeden Fall in 2019 als Gruppenreise anbieten.
Wenn Ihr Lust aufs „Zügeln“ habt, dann lasst es mich wissen.

 









Ab durch die Hecke zum Traumhotel nach S.

Nachdem uns Plymouth nicht haben wollte, oder genauer gesagt, wir wollten Plymouth nicht, war in South Brent ein Ersatz gefunden. Für eine ...